Der Auslöser – Hochwasser 1990
Im Februar 1990 überflutete die Rems weite Teile des Remstals. Der Schaden belief sich auf über 20 Millionen DM. Das Ereignis machte deutlich:
Ein koordiniertes, übergreifendes Hochwasserschutzkonzept für das gesamte Tal war dringend notwendig. Die bisherige Strategie, die Rems durch Begradigung und Schutzdämme schneller abzuführen, hatte die Situation flussabwärts sogar verschärft.
Von der Planung zur Gründung
1993 gründete sich die Planungsgemeinschaft Rems. Ihr Auftrag: eine integrierte Flussgebietsuntersuchung, die Hochwasserschutz und ökologische Aufwertung des Remstals gemeinsam dachte. Vier Jahre später lagen die Ergebnisse vor. Das Konzept sah neun Standorte für Hochwasserrückhalteräume zwischen Schwäbisch Gmünd und Weinstadt vor, mit Gesamtbaukosten von rund 120 Millionen DM.
In den Folgejahren einigten sich die Anliegerkommunen, die Landkreise und das Regierungspräsidium Stuttgart auf die Gründung eines gemeinsamen Verbands. Im April 1998 fand in Schorndorf die Gründungsversammlung des Wasserverbands Rems statt – einer Körperschaft des öffentlichen Rechts nach dem Wasser- und Bodenverbandsgesetz. Erster Vorsitzender wurde Oberbürgermeister Winfried Kübler, Stadt Schorndorf.
Die Hochwasserrückhaltebecken
Seitdem wurden vier Hochwasserrückhaltebecken gebaut und in Betrieb genommen:
- 2006 – HRB 1 Schwäbisch Gmünd / Reichenhof 769.000 m³
- 2008 – HRB 9 Lorch / Waldhausen 761.000 m³
- 2020 – HRB 4 Plüderhausen / Urbach 665.000 m³
- 2005 – HRB 6 Schorndorf / Winterbach 1.170.000 m³
Zusammen fassen die vier Becken rund 3,4 Millionen Kubikmeter Wasser und
schützen rund 270.000 Menschen entlang von 80 Kilometern Rems.
Neue Herausforderungen
Seit 2010 hat sich die Gefährdungssituation verändert: Starkregen tritt häufiger und intensiver auf, lokale Unwetterzellen bringen große Niederschlagsmengen auf kleinste Flächen – während wenige Kilometer weiter die Sonne scheint.
Starkregen verursacht in Deutschland jährlich Schäden in Milliardenhöhe und betrifft mittlerweile jeden Ort, unabhängig von der Nähe zu einem Fluss. Sowohl die Häufigkeit dieser Ereignisse als auch die Intensität haben zugenommen. Für das Remstal ist Starkregen aufgrund der Topographie ein ernstes Problem. Der Wasserverband hat darauf reagiert und mit seinen Mitgliedskommunen von Herbst 2022 bis Sommer 2025 ein kommunales Starkregenrisikomanagement erarbeitet. Die Ergebnisse fließen in die künftige Planung, Vorsorge und das Krisenmanagement ein.
Dazu kommt, dass beide Flutursachen immer häufiger zusammenwirken. Zum Hochwasser aus der Rems können konvektive Ereignisse mit Starkregen hinzukommen, was lokal zu extremen Wasserständen führen kann. Das Hochwasser im Juni 2024 hat gezeigt, wie stark beide Faktoren zusammenwirken können. Wie das Remstal auf solche Extremereignisse vorbereitet werden kann, ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben des Verbands.
Das Regierungspräsidium Stuttgart, selbst Mitglied im Wasserverband, hat daher eine Schwachstellenanalyse durchgeführt. Parallel läuft die Fortschreibung der Hochwassergefahrenkarten. Sobald alle Ergebnisse vorliegen, wird das Hochwasserschutzkonzept auf Grundlage neuer Daten weiterentwickelt und geprüft, ob der Bau weiterer Hochwasserrückhaltebecken notwendig ist.
Die Geschäftsstelle des Verbands hat ihren Sitz bei der Stadt Schorndorf, Robert-Bosch-Straße 9.