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Kaufmännischer Geschäftsführer Mischa Allgaier im Interview


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Was er macht, macht er mit Begeisterung: Mischa Allgaier schwärmt von seiner Arbeit.

Nach einer Stunde im Gespräch mit Mischa Allgaier fängt man an zu schwitzen. Nicht aus Unwohlsein oder weil es zu warm ist in seinem Büro über dem Archivplatz, sondern weil der Mann so begeistert von seinem Job bei der Stadt Schorndorf erzählt, dass man meint, man sei mittendrin und dabei.
So hat er mit daran gearbeitet, dass der Haushaltsplan transparenter dargestellt werden kann und damit auch für die Gemeinderäte, die immerhin über ihn zu entscheiden haben, schneller verständlich ist. Den Haushaltsplan nimmt er geradezu liebevoll zur Hand und berichtet stolz, wie schön man mittlerweile sehen könne, wie sich zum Beispiel die Betreuungsplätze für Kinder in den nächsten Jahren entwickeln werden. Dazu trägt er die entsprechenden Kostenstellen vor, als wären es Zeilen aus einem Gedicht und irgendwie landet man dann kurz bei den Backhäuschen, die noch immer in den Teilorten der Stadt in Betrieb sind. „Ich lieb’ die“, entfährt es ihm und er plaudert von seinem Traum, einmal eine lange Tafel auf dem Schorndorfer Marktplatz zu errichten. Im Rahmen einer Bürgerstiftungsaktion, stellt er sich dann vor, Spezialitäten aus den besagten Backhäuschen zu verkaufen.
Was er macht, macht er mit Begeisterung und so erzählt er auch davon. Also steigt man mit ihm, in die in seinem Büro parat stehenden Gummistiefel, um die Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Rems zu begutachten.
Gummistiefel

Seit 2011 bei der Stadtverwaltung

Mischa Allgaier hat seine Karriere bei der Stadt Schorndorf 2011 begonnen. Damals war er Student eines integralen Masterstudiums im Fach „Public Management“ an der Steinbeis Akademie in Hohenheim. Seit dem 1. Januar 2018 ist er stellvertretender Fachbereichsleiter im Bereich Infrastruktur und zudem der kaufmännische Geschäftsführer beim Wasserverband Rems und ebenso bei der Schorndorfer Bürgerstiftung.

Ins Schwitzen bringen ihn diese Aufgaben freilich nicht, eher zum Strahlen: „Das ist gigantisch“, meint er zu seinem Job und sich selbst beschreibt er lächelnd so: „Ich bin wie so ein Hybrid.“ Und damit meint er, dass seine Welt nicht nur die der Zahlen und Haushaltsbücher ist, sondern dass er unbedingt auch immer raus muss. Dahin wo die Dinge passieren, die sich bei ihm dann in Zahlen ausdrücken.

„Ich will alles verstehen“, meint er ganz bescheiden. Und sein Wissen gibt er auch liebend gern weiter. So bekommt man bei ihm einen Crashkurs zum Unterschied zwischen der althergebrachten kameralen Haushalts- und Rechnungsführung: „Schatulle auf, Schatulle zu“ und zum sogenannten „Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen“ (NKHR): „doppelte Buchführung“.

In seinem Kopf und auch in seiner Arbeit ist es nicht weit vom städtischen Haushalt zu Dingen wie den „Lerchenfenstern“. Denn auf seinem Wasserverband-Schreibtisch liegt zum Beispiel die Rechnung eines Bauern, dem er den Ernteausfall erstatten soll, weil dieser Landwirt ein „Lerchenfenster“ eingerichtet hat. Mischa Allgaier weiß, dass dies keine seltsame Idee eines schlauen Landwirtes ist. Sie zählt zu den Maßnahmen, die der Wasserverband unterstützt, um das Landschaftsgebiet entlang der Rems nicht nur hochwassersicher zu machen, sondern auch zum wertvollen Lebensraum für Mensch und Tier. Für das zitierte „Lerchenfenster“ lässt nun der Landwirt ein Teil seines Feldes stehen, damit die Lerchen einen Platz zum Landen haben und zudem genügend Futter finden. Überhaupt wächst Mischa Allgaier die Natur jeden Tag mehr ans Herz. Was man sogar an seinen Socken sehen kann: Aus New York stammen die hübschen Fußkleider, die an eine Bienenwabe erinnern.
Bienensocken
Denn auch für Bienen und Schmetterlinge hat der Finanzfachmann ein großes Herz und er erzählt von dem „Projekt Wildblumenwiese“. Mit eingebunden in diese blühende Aktion sind die Kinder aus dem Kindergarten Konnenberg, die beim Aussäen helfen sollen. „Das ist der Plan“, sagt er und kann auch sofort die Kostenstelle zitieren, unter der die Kosten für die Samenmischungen verbucht werden.

„Raue Rampe“

Die Bienenwaben sind also ein hübsches Symbol für die Arbeit des Mischa Allgaier: „Alles hängt miteinander zusammen“, sagt er.

Bei seiner Arbeit verändere sich deshalb auch täglich „der Blick auf die Welt“, denn jeden Tag komme Neues hinzu. „Mein absolutes Lieblingswort gerade ist „Raue Rampe“.“ Eine „Raue Rampe“, auch „Sohlrampe“ genannt ist eine naturnahe Alternative zu Wehren. Während er ihre Funktion beschreibt, steht er auf und baut mit großen Gesten diese Rampe mal eben in seinem Büro nach.
Mit dieser Begeisterung tritt er vermutlich auch vor seine Studenten. Mischa Allgaier, 31 Jahre jung, hat einen Lehrauftrag an der Hochschule in Ludwigsburg. Und dort verrät er seinen Studenten, warum einer wie er viel lieber bei einer Kommune arbeitet, als etwa in der freien Wirtschaft: „Ganz einfach: Ich will nicht dafür arbeiten, dass der Chef einen Porsche fahren kann“, sagt er kämpferisch. Dafür zu arbeiten, dass die Menschen gut in ihrer Stadt leben können, „das find ich super“.






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